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Muss mein Baby krabbeln oder darf es das überspringen?

myanweise
18. Okt.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Dein Baby zieht sich am Sofa hoch, steht wackelig und strahlt, aber auf Händen und Knien hast du es noch nie gesehen. Oder es robbt seit Wochen auf dem Bauch durch die Wohnung, rutscht auf dem Po oder dreht sich geschickt zu allem hin, was es haben will.


Baby zieht sich am Sofa hoch, Mama schaut zu

Spätestens wenn in einem Ratgeber das Krabbeln als feste Stufe zwischen Sitzen und Laufen steht, kommt die Frage: Muss mein Baby eigentlich krabbeln oder darf es das auch auslassen?


Baby krabbelt nicht: Was mit Krabbeln eigentlich gemeint ist


Fachlich ist mit Krabbeln eine ganz bestimmte Bewegung gemeint: Dein Baby bewegt sich auf Händen und Knien fort und der Bauch ist dabei vom Boden abgehoben. Im Alltag wird aber oft auch das Robben, das Rutschen auf dem Po oder das Laufen auf Händen und Füßen „krabbeln“ genannt. Das heißt, wenn zwei Eltern über das Krabbeln reden, meinen sie oft gar nicht dieselbe Bewegung. Diese Unschärfe ist auch ein Grund, warum sich Krabbeln als feste Entwicklungsstufe so schlecht festmachen lässt.


Muss ein Baby krabbeln?


Dass Krabbeln für eine gesunde Entwicklung zwingend nötig ist, ist wissenschaftlich nicht belegt. Manche Babys lassen das klassische Krabbeln aus und ziehen sich direkt zum Stehen hoch, und das ist für sich genommen kein Warnzeichen. In der Fachwelt wird das trotzdem unterschiedlich gesehen: Viele Kinderphysiotherapeutinnen halten Krabbeln für wichtig, wie eine Befragung aus den USA zeigt. Diese Befragung erfasst aber Überzeugungen aus der Praxis und keinen Nachweis, dass das Überspringen einem Kind schadet.


Baby krabbelt auf einem Teppich

Was beim Krabbeln im Körper zusammenarbeitet


Beim Krabbeln kommt vieles gleichzeitig ins Spiel. Dein Baby stimmt Arme und Beine aufeinander ab, hält das Gleichgewicht auf vier Stützpunkten und verarbeitet dabei, was es sieht, was sein Gleichgewichtssinn meldet und wie sich sein Körper im Raum anfühlt. Einzelne Studien finden Zusammenhänge zwischen Krabbelerfahrung und späterer motorischer Geschicklichkeit. Diese Zusammenhänge beweisen aber nicht, dass das Krabbeln selbst die Ursache ist. Denn Babys, die viel krabbeln, sind meist insgesamt viel in Bewegung, und das lässt sich in diesen Studien kaum voneinander trennen.


Wie dein Baby dabei Arme und Beine über Kreuz bewegt, erkläre ich ausführlich im Artikel Warum krabbelt mein Baby über Kreuz?.


Stimmt es, dass Krabbeln die Gehirnhälften verbindet?


Diesen Satz liest man online immer wieder, oft verbunden mit der Sorge, dass ohne Krabbeln später etwas fehlt. Für die Aussage, Krabbeln sei nötig, damit sich die beiden Gehirnhälften verbinden, gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. Auch die Vorstellung, Krabbeln würde alle bisher erworbenen Fähigkeiten miteinander verknüpfen, ist zu pauschal.


Warum du zu solchen Fragen so oft widersprüchliche Antworten findest, steht im Artikel Warum widersprechen sich Google-Ergebnisse zur Entwicklung meines Kindes?.


Warum manche Babys das Krabbeln auslassen


Vom Liegen zum Laufen führen viele Wege. Manche Babys robben lange und kommen erst spät auf Hände und Knie, andere rutschen auf dem Po und wieder andere entdecken das Hochziehen, bevor sie überhaupt Lust auf Krabbeln haben. Auch hier muss man wieder unterscheiden: Ein Baby, das sich auf seine Weise viel bewegt, sammelt dabei ganz ähnliche Erfahrungen mit Gewicht, Gleichgewicht und Abstimmung, nur in einer anderen Form.


Das heißt jetzt nicht automatisch, dass einem Kind, das nicht gekrabbelt ist, etwas fehlt. Es kommt immer darauf an, welche anderen Bewegungen es von sich aus gemacht hat. Niemand von uns hat sich so ideal entwickelt, wie es in den meisten Lehrbüchern steht und trotzdem kommen wir gut durchs Leben.


Was es bedeutet, wenn sich ein Baby hochzieht, bevor es krabbelt, findest du im Artikel Baby zieht sich hoch, krabbelt aber noch nicht: warum das kein Umweg ist.


Worauf du stattdessen schauen kannst


Aussagekräftiger als die Frage, ob dein Baby klassisch krabbelt, ist, ob es sich aktiv bewegt, Neues ausprobiert und auf seine Art vom Fleck kommt. Dafür braucht es vor allem Gelegenheit: Zeit am Boden, in der es sich frei bewegen und im eigenen Tempo ausprobieren kann.

Ein Vergleich mit dem Baby aus der Krabbelgruppe sagt dabei wenig über die Entwicklung deines eigenen Kindes aus, denn Entwicklung ist kein Wettkampf.

Warum uns dieser Vergleich trotzdem so schwerfällt, steht im Artikel Warum vergleiche ich mein Kind ständig mit anderen?.


Wenn du den Eindruck hast, dass sich dein Baby insgesamt kaum aktiv fortbewegt, oder wenn dich etwas an seiner Bewegung beschäftigt, sprich es in der Kinderarztpraxis an. Dort kann man dein Kind als Ganzes anschauen und mit dir gemeinsam einordnen, was du beobachtest.


Häufige Fragen


Ist es schlimm, wenn mein Baby sich hochzieht, bevor es krabbelt?


Für sich genommen ist das kein Warnzeichen. Eine feste Reihenfolge, die alle Babys gleich durchlaufen, gibt es nicht. Wenn sich dein Baby selbst hochzieht, zeigt das, dass Rumpf, Hüfte und Gleichgewicht schon gut zusammenarbeiten.


Ist Robben weniger wert als Krabbeln?


Robben ist eine eigene Art, sich fortzubewegen, und für manche Babys der erste Weg, an etwas heranzukommen. Manche krabbeln danach auf Händen und Knien, andere nicht. Wichtig ist, dass dein Baby sich aktiv bewegt und dabei immer wieder Neues ausprobiert.


Muss ich mein Baby zum Krabbeln bringen?


Du musst mit deinem Baby kein Krabbeln üben. Krabbeln entsteht, wenn die körperlichen Voraussetzungen dafür da sind und dafür braucht dein Baby vor allem Zeit und Platz, sich frei zu bewegen.


Was dir jetzt weiterhilft


Deshalb lohnt sich der Blick weg von der Frage, ob dein Baby krabbelt oder nicht, hin zu dem, was es auf dem Weg dorthin schon zeigt.


Wie das Krabbeln entsteht und welche Unterstützung dazu passt, ist ab dem 11. November Thema im Mini-Kurs „Krabbeln sicher begleiten“.

Woran du erkennst, wie sich dein Baby gerade auf das Krabbeln vorbereitet, zeigt dir die kostenlose Übersicht „Die 5 Krabbel-Signale“.

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