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Warum vergleiche ich mein Kind ständig mit anderen?

myanweise
16. Sept.
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 17. Sept.

Ihr sitzt im Kreis, Krabbeldecke an Krabbeldecke. Das Kind neben deinem zieht sich gerade zum ersten Mal am Kletterbogen hoch, lacht, wackelt, hält sich fest. Dein Kind sitzt noch da und beobachtet. Für einen Moment bist du nicht mehr bei deinem eigenen Kind. Du bist im Kopf schon beim Vergleich.


Kleinkind zieht sich am Kletterbogen hoch, Mama vergleicht mit ihrem eigenen Kind, welches die Situation beobachtet

Was bedeutet es, wenn ich mein Kind plötzlich mit anderen Augen sehe?


Nichts, was gegen dich spricht. Nach Festingers Social-Comparison-Theorie bewerten Menschen sich selbst über den Vergleich mit anderen, immer dann, wenn ein objektiver Maßstab fehlt. Und genau den gibt es für Elternschaft nicht: Es gibt kein Maßband für "gut genug", also wird das Kind nebenan zur Ersatz-Messlatte. Das ist kein Charakterfehler, sondern ein psychologischer Mechanismus, der bei fast allen Eltern anspringt. Laut einer Erhebung des C.S. Mott Children's Hospital hat einer von drei Eltern sein Kind bereits mit einem älteren Geschwister- oder Freundeskind verglichen. Es ist normal, nicht die Ausnahme.


Was sagt ein Unterschied wie dieser wirklich aus?


Meistens weniger, als er sich anfühlt. Krabbeln beginnt bei manchen Kindern mit 7 Monaten, bei anderen erst mit 10 – und ein Teil der Kinder überspringt es komplett und geht direkt zum Stehen über. Beides liegt im normalen Rahmen. Entscheidend ist nicht, ob dein Kind exakt zeitgleich mit dem Kind neben ihm dieselbe Fähigkeit zeigt, sondern ob es sich überhaupt in eine Richtung entwickelt: ob es ausprobiert, sich anstrengt, kleine Fortschritte macht – auch wenn sie langsamer kommen. Ein Unterschied von mehreren Monaten bei ein und demselben Meilenstein kann für beide Kinder völlig normal sein.


Was hilft im Moment des Vergleichens selbst?


Der Impuls lässt sich nicht abstellen – er ist zu automatisch dafür. Was sich verschieben lässt, ist die Frage, die du dir dabei stellst. Nicht "Wo steht mein Kind im Vergleich zum anderen?", sondern "Was macht mein Kind gerade, und wohin bewegt es sich?" Das ist der Kern von Beobachten statt Vergleichen: nicht das Nebenkind als Maßstab nehmen, sondern den eigenen Fortschritt deines Kindes wahrnehmen, so klein er auch ist.


Aus der Praxis:


In Krabbelgruppen erlebe ich diesen Moment ständig – nicht bei den Kindern, bei den Eltern. Ein Kind zieht sich hoch, und im selben Atemzug dreht sich mindestens ein Elternteil zum eigenen Kind um, mit genau diesem prüfenden Blick. Was ich dann oft sage: Schau nicht auf das andere Kind, schau auf deins von letzter Woche. Der Fortschritt liegt selten dort, wo du ihn erwartest.


Wie sich Krabbeln und die Rumpfstabilität davor entwickeln, liest du in "Von der Bauchlage zum freien Sitzen – wie Rumpfstabilität entsteht".


Nicht mehr das andere Kind als Maßstab nehmen. Sondern das eigene wirklich sehen.


Wenn du wissen willst, wann eine Beobachtung wirklich zählt, statt jede Regung mit einem Meilenstein zu vergleichen: Melde dich für den Newsletter an, dann bekommst du solche Einordnungen regelmäßig.

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