Hochdrücken beim Baby: was in Bauchlage das Krabbeln vorbereitet
Dein Baby liegt auf dem Bauch, stützt sich auf die Unterarme und schaut sich um. Irgendwann drückt es sich ein Stück weiter hoch, die Ellenbogen lösen sich vom Boden und für einen Moment ruht es auf den Handgelenken oder auf kleinen Fäusten. Viele Mamas fragen sich genau dann, ob das so richtig aussieht, weil die Hände noch gar nicht flach auf dem Boden liegen.

Baby drückt sich hoch: was dabei in den Armen passiert
Wenn sich ein Baby in Bauchlage hochdrückt, verändert sich vor allem, wo das Gewicht liegt. Im Unterarmstütz ruht der Oberkörper auf beiden Unterarmen, die Ellenbogen sind gebeugt. Beim Hochdrücken beginnen sich die Ellenbogen zu strecken und das Gewicht wandert vom Unterarm nach vorn in Richtung Hand. Das heißt, der Körper muss jetzt über eine viel kleinere Fläche gehalten werden, denn statt eines ganzen Unterarms stützt nur noch die Hand. Wenn du dich selbst einmal auf den Bauch legst und dich von den Unterarmen auf gestreckte Arme hochdrückst, merkst du sofort, wie viel mehr deine Schultern und Hände plötzlich leisten müssen. Genauso ist das bei den Babys auch, nur dass sie diese Position gerade zum ersten Mal kennenlernen.
Warum stützt sich mein Baby erst auf den Handgelenken ab?
Das kurze Abstützen auf den Handgelenken oder Fäusten ist eine Zwischenstation. Die Ellenbogen strecken sich schon, die Hand ist aber noch nicht ganz offen und das Gewicht liegt zuerst auf der Handwurzel, an der Seite des kleinen Fingers. Fachlich heißt diese Position Handwurzelstütz und sie gilt als normale Übergangsposition zwischen dem Unterarmstütz und dem Stütz auf der offenen Handfläche.
In dieser Zwischenstation passiert im Körper schon einiges. Die Schulterblätter beginnen, sich zu stabilisieren und die Muskeln, die Handgelenk und Finger beugen, werden zum ersten Mal ein Stück gedehnt. Deshalb sieht die Hand anfangs oft noch etwas eingerollt aus. Sie öffnet sich nach und nach, wenn der Körper dafür so weit ist, ganz von allein.
Was sich zeigt, wenn die Arme gestreckt sind
Irgendwann stützt sich dein Baby in Bauchlage auf gestreckte Arme, die Hände liegen offen auf dem Boden und der Daumen steht dabei leicht abgespreizt. Diesen Moment kannst du gut beobachten, weil er sich deutlich von den Wochen davor unterscheidet: Der Oberkörper ist höher, der Blick geht weiter nach vorn und die Hände sind keine Fäuste mehr.
In der Hand passiert dabei etwas, das man von außen kaum sieht. Das Gewicht verschiebt sich über die ganze Handfläche bis zum Daumenballen. Aus fachlicher Sicht ist das eine Grundlage dafür, dass die Hand später zwei Aufgaben voneinander trennen kann: Die Seite mit dem kleinen Finger hält und stabilisiert, die Daumenseite wird zur aktiven, greifenden Seite. Bis ein Kind einen Löffel oder einen Stift gezielt hält, ist es noch ein weiter Weg und trotzdem beginnt ein Teil davon hier auf dem Boden.
Was hat das Hochdrücken mit dem Krabbeln zu tun?
Beim Krabbeln stehen die Hände wieder offen auf dem Boden und die Arme halten einen Teil des Körpergewichts. Was dein Baby beim Hochdrücken in Bauchlage kennenlernt, begegnet ihm dort also wieder. Jeder Entwicklungsschritt baut auf anderen Fähigkeiten auf, denn neue Bewegungen entstehen aus dem, was der Körper vorher schon erfahren hat.
Das heißt jetzt nicht automatisch, dass ein Kind nur dann krabbelt, wenn es lange auf gestreckten Armen gestützt hat. Manche Babys bleiben eine ganze Weile in dieser Position, andere gehen schnell weiter und beides ist völlig normal, weil jedes Kind die einzelnen Bausteine auf seinem eigenen Weg zusammensetzt. Es kommt immer darauf an, welche Bewegungen ein Kind von sich aus sonst noch macht.
Der Weg zum Hochdrücken beginnt schon früher, mit dem Stütz auf den Unterarmen. Was in dieser Phase passiert, erklärt der Artikel über den Unterarmstütz.
Wie aus der Bauchlage nach und nach Stabilität im Rumpf entsteht, liest du in „Von der Bauchlage zum freien Sitzen – wie Rumpfstabilität entsteht“.
Wie kann ich mein Baby beim Hochdrücken unterstützen?
Für das Hochdrücken braucht dein Baby keine gezielte Übung und keine Anleitung von außen. Aus fachlicher Sicht reichen ausreichend Zeit in Bauchlage und freie Zeit auf dem Boden, in der es selbst ausprobieren kann, wie weit es sich schon hochdrücken mag. Für dich heißt das vor allem, hinzuschauen, wie sich Arme und Hände über die Wochen verändern, ohne dein Kind dabei mit anderen Babys zu vergleichen. Entwicklung ist kein Wettkampf.
Bitte leg dein Baby nur wach und begleitet auf den Bauch, zum Schlafen auf den Rücken.
Wenn du über mehrere Monate keinen Fortschritt in Richtung gestreckter Arme siehst, sprich das beim nächsten Kinderarzttermin in Ruhe an. Dort kann jemand dein Kind anschauen und gemeinsam mit dir einordnen, was du beobachtet hast.
Häufige Fragen
Ist es normal, dass mein Baby beim Hochdrücken Fäuste macht?
Ja, das kommt oft vor. Viele Babys stützen sich beim Hochdrücken zuerst kurz auf die Handgelenke oder geschlossenen Fäuste, bevor sie sich auf die offene Handfläche hochdrücken. Das ist eine Zwischenposition zwischen dem Unterarmstütz und dem Stütz auf offenen Händen. Die Muskeln, die Handgelenk und Finger beugen, werden dabei erst nach und nach gedehnt, deshalb öffnet sich die Hand mit der Zeit von selbst.
Sollte ich die Hände meines Babys flach auf den Boden legen?
Das ist nicht nötig. Die Hand öffnet sich, wenn Schultern, Arme und Handgelenke so weit sind und dein Baby findet diese Position selbst, wenn es genug freie Zeit auf dem Bauch und auf dem Boden hat. Hilfreicher als das Zurechtlegen der Hände ist es, zu beobachten, was dein Baby schon von sich aus macht.
Den Moment einordnen
Die gestreckten Arme in Bauchlage sind ein Moment, an dem du gut sehen kannst, was sich auf dem Weg zum Krabbeln gerade tut. Im Mini-Kurs „Krabbeln sicher begleiten – auch wenn dein Baby seinen eigenen Weg wählt“, der am 11.11. startet, lernst du, die Bewegungen deines Babys auf diesem Weg selbst einzuordnen und zu entscheiden, welche Unterstützung gerade passt und was du weglassen kannst.
Wie dieser Moment mit den anderen Schritten auf dem Weg zum Krabbeln zusammenhängt, zeigt dir die kostenlose Übersicht „Die 5 Krabbel-Signale“. Damit siehst du auf einen Blick, wo dein Baby gerade steht, ohne es mit anderen Babys zu vergleichen. Hol dir die Krabbel-Signale.



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