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Von Stehen zu den ersten Schritten – wie Gewichtsverlagerung das Laufen vorbereitet

myanweise
8. Aug.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Aug.

Dein Kind zieht sich am Sofa hoch, steht da, wackelig, hält sich fest – und macht dann, noch am Möbelstück entlang, den ersten seitlichen Schritt. Was du hier siehst, ist derselbe Mechanismus, der später das freie Laufen möglich macht: Gewicht gezielt auf eine Seite verlagern.



Was dich hier erwartet:


  • Was beim Hochziehen zum Stand passiert

  • Warum Gewichtsverlagerung vor dem Laufen kommt

  • Was beim Cruising an Möbeln passiert

  • Solltest du die Hände deines Kindes halten?

  • Was ein Lauflernwagen wirklich bringt

  • Was bei den ersten freien Schritten passiert

  • Warum Gewichtsverlagerung auch später noch eine Rolle spielt

  • Häufige Fragen


Was bedeutet es, wenn sich dein Kind zum Stehen hochzieht?


Zwischen dem achten und zehnten Monat zieht sich dein Kind aus eigener Kraft an Möbeln hoch und hält sich dabei fest. Das setzt voraus, was in den Monaten davor an Rumpfstabilität aufgebaut wurde – der Weg von der Bauchlage bis zum freien Sitzen ist die Grundlage, auf der dieser nächste Schritt erst möglich wird. Lies mehr dazu im Artikel Von der Bauchlage zum freien Sitzen – wie Rumpfstabilität entsteht


Warum kommt Gewichtsverlagerung vor dem Laufen?


Wenn dein Kind einen Arm hebt, um nach etwas zu greifen, verschiebt sich das Gewicht automatisch auf die gegenüberliegende Hand und das gegenüberliegende Bein – zunächst ein instabiles Muster mit schmaler Unterstützungsbasis. Mit Übung werden daraus kleine Seitwärtsschritte, die die Unterstützungsbasis gezielt unter den Körperschwerpunkt bewegen. Das ist der direkte biomechanische Vorläufer des selbstständigen Gehens – Gewichtsverlagerung gilt als einer der wichtigsten Einzelfaktoren dafür überhaupt.


Was passiert beim Cruising an Möbeln?


Dein Kind steht, hält sich fest, dreht den Rumpf beim Greifen nach einem Spielzeug und macht dabei kleine Seitwärtsschritte, um im Gleichgewicht zu bleiben. Dieses “Cruisen” zwischen neun und dreizehn Monaten ist kein Nebenprodukt – es ist aktives Üben genau der Gewichtsverlagerung, die kurz danach die ersten freien Schritte trägt.


Solltest du die Hände deines Kindes beim Laufen halten?


Mehrere unabhängige Quellen empfehlen, beim Laufenlernen nicht die Hände zu halten – Hände sind nicht so stabil wie zum Beispiel ein Tisch und können dein Kind eher verunsichern statt zu unterstützen. Dauerhaftes beidhändiges Halten übernimmt außerdem die Balance-Arbeit komplett, sodass dein Kind sie nicht selbst erproben muss – und führt oft dazu, dass es die Hand immer wieder aktiv einfordert. Hilfreicher ist abgestuftes Halten: die eigene Hand tiefer bringen, nur noch eine Hand statt zwei, den Rumpf statt die Hand halten, oder ein Tuch um die Brust – als Übergang, nicht als Dauerlösung.


Was bringt ein Lauflernwagen wirklich?


Ein Lauflernwagen wird oft als hilfreiches Zwischending angepriesen, ist aber nicht zu empfehlen: Durch das Abstützen am Griff entsteht häufig ein nach vorn geneigtes Gangbild, bei dem der Körperschwerpunkt beim eigenständigen Laufen nicht stimmt. Zusätzlich fehlt bei zu schnellem Wegrollen des Wagens die natürliche Schutzreaktion, da die Hände am Griff festhalten statt sich beim Fallen abzufangen. Freies Cruisen an feststehenden Möbeln ist die bessere Wahl für die Gewichtsverlagerung, die dein Kind wirklich braucht – das Tempo bestimmt dabei allein dein Kind.


Was passiert bei den ersten freien Schritten?


Die ersten eigenständigen Schritte, meist zwischen zehneinhalb und vierzehn Monaten, sehen typisch aus: schnell, kurz, mit breiter Beinstellung und hoch gehaltenen Armen zur Balance. Das ist keine unfertige Vorstufe des “richtigen” Laufens – es ist genau die Strategie, die für diesen Moment am stabilsten ist.


Aus der Praxis: 

Was ich in der Praxis besonders oft erlebe: Eltern vergleichen, wie lange ihr Kind an Möbeln entlang cruist, bevor die ersten freien Schritte kommen – manche Kinder brauchen dafür wenige Wochen, andere mehrere Monate. Beides sagt nichts über die spätere Bewegungssicherheit aus. Die Cruising-Zeit ist keine verlängerte Warteschleife, sondern aktives Üben.


Warum Gewichtsverlagerung auch später noch eine Rolle spielt


Dieselbe Fähigkeit taucht Jahre später wieder auf: beim Wechselschritt-Treppensteigen, beim Dreiradfahren, beim Ballfangen. Deshalb lohnt sich der Blick auf Gewichtsverlagerung nicht nur fürs erste Laufen – sie bleibt die Grundlage für viele spätere Bewegungen.


Häufige Fragen


Warum kann mein 3-jähriges Kind noch nicht allein Treppen laufen?


Wechselschritt-Treppensteigen gelingt vielen Dreijährigen noch gar nicht – eine breite Normvariation. Manchmal steckt auch Vorsicht statt fehlendem Können dahinter.


Warum kann mein 3-jähriges Kind noch nicht Dreirad fahren?


Dreiradfahren braucht Krafteinsatz und das Verständnis der Tretbewegung gleichzeitig – auch hier eine breite Normvariation mit drei Jahren. Oft fehlt eher das Verständnis der Bewegungsabfolge als die Kraft.


Warum fängt mein Kind beim Spielen den Ball nicht?


Ballfangen braucht Auge-Hand-Koordination und Krafteinschätzung, die sich individuell unterschiedlich schnell entwickeln. Sind die Grundfertigkeiten angelegt, findet dein Kind meist seinen eigenen Weg dahin.


Warum stolpert mein Kind beim Spielen oft?


Das kann mit noch nicht ausreichend geübter seitlicher Gewichtsverlagerung zusammenhängen – Bewegungskoordination entwickelt sich in ihrem eigenen Tempo.


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