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Warum es Familienfunke gibt

myanweise
3. Aug.
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Aug.


Der Moment im Kurs


Ich leite einen Eltern-Kind-Kurs in meiner Praxis. Eine Mama berichtet stolz, dass ihr Sohn jetzt sitzen kann und zeigt allen ein Foto davon. Das Baby sitzt zwischen zwei Sofakissen und kann sich nicht selbst bewegen. Die Mutter hat ihr Baby dafür hingesetzt, ohne dass das Kind alle Grundlagen dafür trainiert hat. Ich sehe die gleiche Szene seit über zwanzig Jahren immer wieder – in meiner Praxis, in Kursen, bei Freundinnen mit Kindern. Und jedes Mal denke ich dasselbe: Diese Mutter tut das aus Liebe. Nicht aus Nachlässigkeit.


Baby sitzt zusammengesunken zwischen Kissen auf einer Couch

24 Jahre nah an der Entwicklung


Seit 24 Jahren bin ich Ergotherapeutin, seit 21 Jahren mit eigener Praxis und seit 13 Jahren bin ich zusätzlich als Medizinpädagogin tätig. Mein Schwerpunkt in der Praxis ist die Behandlung von Kindern und Kleinkindern. Ich habe in dieser Zeit sehr genau gelernt, wie sich kindliche Entwicklung anfühlt, wenn man sie nah begleitet, Schritt für Schritt, Körperbereich für Körperbereich, oft lange bevor überhaupt etwas sichtbar wird.


Woran es Eltern wirklich fehlt


Und genau da liegt das Problem, das mich nicht mehr losgelassen hat: Eltern bekommen unglaublich viele Informationen. Bücher, Kurse, Reels, Ratschläge von der Schwiegermutter, bei der U-Untersuchung, aus dem Internet, auch mal verzweifelt um Mitternacht. Was ihnen fehlt, ist selten Wissen. Was ihnen fehlt, ist ein Zusammenhang, ein Verständnis dafür, warum ihr Kind sich gerade so entwickelt, wie es das tut.


Was beim Hinsetzen wirklich passiert


Das Baby zwischen den Kissen ist dafür ein gutes Beispiel. Bevor ein Kind wirklich frei sitzen kann, muss sich seine Wirbelsäule in einer festen Reihenfolge entwickeln – das passiert nicht, weil ein Kind "es kann", sondern weil sein Körper reift. Setzt man Babys hin, obwohl sie es allein noch nicht schaffen, gelingt es einigen, diese Position zu halten, kommen aber von allein nicht wieder zurück auf den Boden, wieder andere Babys kippen sofort um. Sie lernen nichts beim Hingesetzt werden und haben später häufig eine gebeugte Sitzhaltung, weil die Aufrichtung fehlt. Hier im Beispiel übernehmen die Kissen, was der Rumpf noch nicht kann. Niemand erklärt das den Eltern. Also setzen sie ihr Baby hin.


Warum es Familienfunke gibt


Ich habe diesen Moment über Jahre in einzelnen Kursen und einzelnen Familien erlebt. Immer die gleiche Erkenntnis, immer auf kleiner Ebene weitergegeben. Irgendwann wurde der Gedanke zu laut, um ihn nur in meiner Praxis zu lassen: Ich wollte mehr Eltern erreichen. Nicht mit mehr Tipps. Sondern mit einem anderen Blick.


Familienfunke ist genau das. Kein Ort für Checklisten oder Altersvergleiche. Sondern ein Ort, der sichtbar macht, was in der kindlichen Entwicklung normalerweise unsichtbar bleibt – nicht nur, was passiert, sondern vor allem warum. Denn wenn Eltern verstehen, was in ihrem Kind gerade passiert, verändert das ihren Blick. Und ihr Blick verändert, wie sie handeln.


Nicht mehr Wissen. Sondern mehr Verständnis. Beobachten statt Vergleichen. Das ist der Grund, warum es Familienfunke gibt.


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