Braucht mein Baby Schwarz-Weiß-Karten?
Aktualisiert: 21. Okt.
Schwarz-Weiß-Karten liegen heute in vielen Geschenkboxen zur Geburt und auf der Packung steht oft, dass sie das Sehen oder sogar die Gehirnentwicklung deines Babys fördern. Wer keine Karten hat, fragt sich schnell, ob dem eigenen Baby damit etwas fehlt. Die kurze Antwort lautet: Dein Baby braucht nicht unbedingt Schwarz-Weiß-Karten. Es schaut aber gern darauf, und dafür gibt es einen einfachen Grund.

Kontrastkarten Baby: Warum schauen Neugeborene so gern auf Schwarz-Weiß?
In den ersten Wochen sieht dein Baby feine Unterschiede noch nicht gut. Seine Kontrastempfindlichkeit ist sehr gering, das heißt, es braucht sehr starke Unterschiede zwischen hell und dunkel, damit es ein Muster überhaupt erkennt. Schwarz auf Weiß ist genau so ein starker Kontrast. Schon in den 1960er-Jahren wurde beobachtet, dass Neugeborene länger auf Schwarz-Weiß-Muster schauen als auf einfarbige Flächen. Deshalb ziehen solche Karten die Aufmerksamkeit deines Babys an.
Auch hier muss man wieder unterscheiden: Manche Babys schauen lange und ruhig auf ein Muster, andere wenden sich schnell wieder ab. Beides ist völlig normal, denn wie lange ein Baby hinschaut, hängt auch davon ab, wie wach und ruhig es gerade ist.
Fördern Schwarz-Weiß-Karten die Entwicklung?
Dass Babys gern auf Schwarz-Weiß-Muster schauen, ist gut belegt. Dass die Karten das Sehen schneller entwickeln, das Gehirn fördern oder später Vorteile bringen, ist dagegen nicht nachgewiesen. Eine Untersuchung zur Vermarktung solcher Karten beschreibt, dass sie oft mit genau diesem Versprechen verkauft werden, obwohl die wissenschaftliche Grundlage dafür fehlt. Die Studien, auf die man sich dabei gern beruft, haben gemessen, wohin Babys schauen und was sie sehen können. Über eine Förderwirkung sagen sie nichts aus.
Was interessiert dein Baby mehr als jede Karte?
Am meisten interessiert sich dein Baby von Anfang an für Gesichter. Schon in der ersten Lebensstunde folgen Neugeborene einem gesichtsähnlichen Muster mit Augen und Kopf weiter als anderen Mustern. Dein Gesicht nah vor deinem Baby bietet ihm Kontrast und noch etwas dazu, das keine Karte kann: Du reagierst auf das, was dein Baby macht, mit Blick, Mimik und Stimme. Das heißt, wenn du dein Baby anschaust und mit ihm sprichst, bekommt es genau die Art von Bild, die es am meisten interessiert.
Wenn du Karten nutzen möchtest
Wenn dir Karten Freude machen, spricht nichts dagegen, sie zu nutzen. Selbstgemalte Muster sind für dein Baby genauso gut wie gekaufte, denn für dein Baby zählt nur der starke Kontrast. Am besten funktionieren sie, wenn dein Baby wach und ruhig ist und du die Karte nur kurz zeigst. Schaut dein Baby weg, macht es eine Pause und dann ist es für diesen Moment genug.
Häufige Fragen
Braucht mein Baby Schwarz-Weiß-Karten für eine gute Sehentwicklung?
Nein. Belegt ist, dass Babys gern auf starke Kontraste schauen, weil sie feine Unterschiede anfangs noch nicht gut sehen. Dass Karten die Sehentwicklung beschleunigen, ist nicht belegt.
Sind gekaufte Karten besser als selbstgemalte?
Für dein Baby zählt nur der Kontrast. Ein dicker schwarzer Stift auf weißem Papier reicht dafür völlig aus.
Was bedeutet es, wenn mein Baby von der Karte wegschaut?
Wegschauen ist für dein Baby eine Pause. Es zeigt dir damit, dass es für den Moment genug gesehen hat und das darfst du ernst nehmen.
Was dir jetzt weiterhilft
Du entscheidest selbst, ob Karten bei euch einen Platz haben.
Wie du dein Baby in den ersten Wochen auch auf dem Bauch gut begleitest, ist Thema im Mini-Kurs „Bauchlage sicher begleiten – ohne Druck, in eurem eigenen Tempo“.
Für alle, die Karten ausprobieren und nicht selbst malen möchten, gibt es das kostenlose Schwarz-Weiß-Kartenset von Familienfunke, mit der Anmeldung zum Familienfunke-Newsletter.



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