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Baby Signale deuten: was Blickkontakt und gemeinsames Schauen erzählen

myanweise
12. Okt.
3 Min. Lesezeit

Du hältst dein Baby im Arm, dein Gesicht nah an seinem. Es schaut dich an, lange und ganz ruhig. Dann dreht es den Kopf weg. Einige Zeit später sitzt es auf dem Boden, entdeckt einen Ball, schaut zu dir, schaut zum Ball und wieder zu dir. Zwei kleine Szenen, und beide sind Kommunikation, lange bevor das erste Wort fällt.


Mama hält Baby auf dem Arm, beide schauen sich an

Baby Signale deuten: Warum sind Gesichter von Anfang an so wichtig?


Babys kommen mit einer Vorliebe für Gesichter auf die Welt. Schon Neugeborene folgen mit ihren Augen und ihrem Kopf eher einem Muster, bei dem zwei Augen oben und ein Mund darunter angeordnet sind, als einem Muster, bei dem dieselben Teile durcheinanderliegen. Diese Vorliebe ist vorhanden, bevor das Baby überhaupt Seherfahrung sammeln konnte.


Für den Alltag heißt das: Das Interessanteste, was dein Baby sehen kann, ist dein Gesicht. Wenn du nah herangehst, dein Baby anschaust und mit ihm sprichst, gibst du ihm genau das Angebot, auf das es von Geburt an ausgerichtet ist. Dafür braucht es kein besonderes Material.


Warum schaut mein Baby weg, wenn ich es anschaue?


Ein Gesicht ist für ein Baby voller Information: Bewegung, Mimik, Stimme, Nähe. Das ist spannend und gleichzeitig anstrengend. Wenn dein Baby den Kopf wegdreht, nimmt es sich in vielen Fällen eine Pause, um all das zu verarbeiten. Das ist keine Ablehnung. Dein Baby regelt selbst, wie viel Kontakt gerade passt.


Hilfreich ist, das Wegschauen abzuwarten, statt den Blick wieder einzufangen. Wenn du ruhig bleibst und wartest, kommt der Blick oft von selbst zurück. So erlebt dein Baby, dass es das Gespräch mitbestimmen darf.


Baby schaut von Mama weg mit Familienfunke Visualisierung

Was ist geteilte Aufmerksamkeit?


Irgendwann kommt ein neuer Blick dazu. Dein Kind schaut nicht mehr nur dich an oder nur den Gegenstand, es wechselt zwischen beiden hin und her: Ball, Mama, Ball. Fachlich heißt das geteilte Aufmerksamkeit oder triangulärer Blickkontakt. Zwei Menschen richten ihre Aufmerksamkeit gemeinsam auf eine dritte Sache.


Hinter diesem Blickwechsel steckt eine große Entdeckung. Dein Kind merkt, dass du etwas anderes sehen kannst als es selbst und dass es deine Aufmerksamkeit lenken kann. Der Blick sagt: „Schau mal, was ich gefunden habe.“ Das ist eine Mitteilung, auch ohne ein einziges Wort.


Was hat gemeinsames Schauen mit dem Sprechen zu tun?


Geteilte Aufmerksamkeit gilt fachlich als eine Grundlage von Kommunikation. In einer Längsschnittstudie wurden Kinder über viele Monate regelmäßig beobachtet. Gemeinsames Hinschauen, dem Blick eines anderen folgen und Zeigen entwickelten sich dort in einer relativ regelmäßigen Abfolge, und diese Fähigkeiten hingen mit der frühen Sprach- und Gestenentwicklung zusammen.


Das heißt nicht, dass ein Kind mit vielen Blickwechseln früher spricht oder eines mit wenigen später. Es zeigt, worauf Wörter aufbauen: auf der Erfahrung, dass man mit einem anderen Menschen gemeinsam auf die Welt schauen kann. Ein Wort bekommt seine Bedeutung, wenn beide wissen, worüber gerade gesprochen wird.


Wie kann ich auf den Blick meines Kindes eingehen?


  • Dem Blick folgen: Wenn dein Kind zu etwas hinschaut, schau mit hin.

  • Benennen, was ihr seht: „Da ist der Ball. Er ist rot.“ Ein, zwei Worte reichen.

  • Zurückschauen: Wenn dein Kind vom Gegenstand zu dir schaut, zeig ihm mit deinem Gesicht, dass du es gesehen hast.

  • Pausen lassen: Nicht jeder Blick braucht eine Antwort in Worten. Manchmal reicht ein gemeinsamer Moment.


Im Alltag passiert das ständig nebenbei: beim Blick aus dem Fenster, beim Bilderbuch, beim Hund auf der anderen Straßenseite. Dafür braucht es kein Programm, nur deine Beachtung für seine Aufmerksamkeit.


Wenn du unsicher bist, ob dein Baby Blickkontakt aufnimmt und wie du Baby Signale deuten kannst, kannst du das bei der nächsten Vorsorge beim Kinderarzt ansprechen.


Wie geht es nach Blicken und Gesten weiter?


Aus Blicken, Lauten und Gesten entwickeln sich nach und nach die ersten Wörter. Wie dieser Weg aussieht, liest du im Beitrag Sprachentwicklung: vom Lallen zu den ersten Wörtern.


Wenn dein Baby dich anschaut, wegschaut und wieder zurückschaut, spricht es schon mit dir, mit den Mitteln, die es gerade hat.


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